VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Sektion Graubünden
VCS / ATE / ATA
07.07.2017

Von einmal 1000 Feuern zu heute 1000 Aktiven

Blumen

1986 auf Schweizer Alpen brannten die ersten gemeinsamen Höhenfeuer von Alphirten. 1988 wurde die Idee einer europäischen Lichterkette aufgenommen. Mit diesen solidarischen Höhenfeuern wird Jahr für Jahr ein internationales Zeichen für die Erhaltung des natürlichen und kulturellen Erbes des Alpenraumes gesetzt.

Immer am zweiten Augustwochenende wiederholen Älplerinnen und Älpler, regionale Berggebiets-Vereinigungen, Solidaritäts- und Umweltbewegungen aus den Alpenstaaten diese länderübergreifende Aktion. Mitte der achtziger Jahre symbolisierten die Höhenfeuer unter anderem im Val Madris, Val Curciusa und Grimselgebiet den Widerstand gegen die Nutzung der letzten freifliessenden Gewässer durch Pumpspeicherprojekte. Seit 1989 organisiert der Grimselverein auf dem Sidelhorn jedes Jahr ein Feuer. Seit 23 Jahren organisiert Aktivist Gerhard Leeb ununterbrochen ein Feuer auf dem Dobratsch in Kärnten, dessen Licht in Grenznähe auch in Slowenien und Italien zu sehen ist.

Über 1000 Mahnfeuer waren am Samstag 10.08.1997 auf Berggipfeln und Passhöhen des europäischen Alpenraums entfacht worden. Umweltaktivisten protestierten damit gegen die Zerstörung der Alpen (Bündner Tagblatt am 11.08.1997: Über tausend Mahnfeuer). Die CIPRA Schweiz hat ab 2001 die Trägerschaft und Organisation für Feuer in den Alpen übernommen. Sie kann für die Höhenfeuer auf ein alpenweites Netzwerk mit zahlreichen Lokal- und Regionalgruppen zugreifen. Im UNO-Jahr der Berge 2002 stand der ständig wachsende Transitverkehr, welcher ganze Täler im Alpenraum zu ersticken droht, wieder zuoberst auf der alpenpolitischen Agenda. Viele regionale Organisatoren und Organisatorinnen von Höhenfeuern entlang den Transitrouten forderten die Umlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene. Die Alpen-Initiative organisiert jedes Jahr einen gut besuchten Feuer-Event mit Referaten zum Transitgüterverkehr.

Seit dem Jahr 2003 treffen sich Südtiroler und Nordtiroler Bergsteigerinnen alljährlich bei „Feuer in den Alpen“ zu einem gemeinsamen Bergerlebnis und zum kulturellen Gedankenaustausch. Seither brennen jedes Jahr Feuer für einen intakten alpinen Lebensraum, vor allem in den Kantonen Bern, Graubünden, Schwyz, Tessin und Wallis, in den Bundesländern Bayern, Vorarlberg, Tirol, Kärnten und Wien sowie in Südtirol und Slowenien. Die Höhenfeuer sollen Alpenbewohnern Mut machen, sich für eine nachhaltige Entwicklung in allen Bereichen zu engagieren.

Auch am 12. August 2017 werden rund 1000 aktive Menschen im Alpenraum, die sich durch die Aktion solidarisch verbunden fühlen, um 30 bis 40 Feuer sitzen. Das gemeinsame Thema heisst «Sonnenwende im Wintertourismus». Die Situation des Wintertourismus ist in den Alpenländern unterschiedlich. Was überall zutrifft: Steigende Temperaturen und verändertes Gästeverhalten erfordern neue Strategien. Die Logiernächte in den Alpen sind seit etlichen Jahren rückgängig und zwar auch in ehemals erfolgreichen Wintersport-Destinationen. Wintersport ist kein Volkssport mehr: Insbesondere junge Menschen üben ihn, wenn überhaupt, nur gelegentlich aus. Die Gäste wollen heutzutage nicht nur Skifahren, sondern auch Schneeschuhlaufen, Konzerte besuchen, sich in Wellness-Oasen oder Mediationskursen erholen, regionale Spezialitäten geniessen oder lokales Brauchtum erleben. Es sind Strategien für den notwendigen Wandel zum Ganzjahrestourismus gefragt. Im Zentrum eines solchen Wandels muss die Lebensqualität sowohl von Gästen als auch von Bewohnerinnen und Bewohnern stehen. Der Tourismus intelligent gedacht und umgesetzt verbindet unterschiedliche Lebensbereiche und stärkt die Identität der Destinationen – 2017 ganz im Sinne des UNO-Jahres des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung.

–> Dieser Klartext von Stefan Grass erschien als Wirtschaftsforum im Bündner Tagblatt am 7. Juli 2017

–> Weitere Informationen zu «Feuer in den Alpen»

Kontaktinformationen

Stefan Grass ist Mitglied im Zentralvorstand des Verkehrs-Club der Schweiz und Präsident des VCS Graubünden. Er ist Sekretär der Vereinigung Bündner Umweltorganisationen vbu und SP-Gemeinderat in Chur: 081 250 67 22